Dies & Das

Und wenn ich tot bin, erbst Du mein Kind!

Wenn ich tot bin, soll jemand in meinem Sinne für mein Kind sorgen.

Mama, wenn Du tot bist, bin ich ganz alleine

Wenn du alleinerziehend bist, ist krank werden keine Option. Und sterben? Schon gar nicht! Mein Sohn ist sechs Jahre alt. Hin und wieder macht er sich Gedanken über das Leben und den Tod. Sein Plan ist klar: Wir können nicht heiraten aber ich muss mindestens 100 Jahre alt werden und für immer bei ihm wohnen. (Ha! J) Manchmal überkommt es ihn aber beim Spaziergang mit Hund, wenn zwischen „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ und „Sag mir zehn Worte, die mit „T“ anfangen“ Zeit für ernstere Gedanken bleibt. Dann fließen ganz plötzlich ein paar dieser schrecklich beeindruckenden, dicken Kindertränen. „Wenn Du tot bist, dann bin ich ganz alleine“, sagt er dann. Er macht sich eben Sorgen, um seine Lieben.

Zum Glück kann ich ihn immer schnell beruhigen. Denn wenn ich nicht mehr da bin, sind da noch seine Lieblingstanten und –onkels. Selten lässt er das nicht gelten: „Die sind dann ja auch alle alt und tot.“ In dem Fall wirkt noch: „Du bist dann wahrscheinlich sehr verliebt in eine wundervolle Frau und hast tolle Kinder.“ Dann lächelt er zufrieden und wechselt das Thema. „Okay, spielen wir: Ich bin ein Tier?!“

Wenn ich sterbe, muss jemand anderes alle Entscheidungen treffen

Doch auch wenn mir der Gedanke nicht gefällt, wie würde es denn weitergehen nach meinem Tod? Was, wenn ich sterbe, bevor mein Kind alleine klarkommt? Diese Sorgen lassen sich nicht immer verdrängen. Ich denke zwar oft trotzig, dass mir schon nichts geschieht . . . Aber ich weiß natürlich auch, dass ich nicht alles beeinflussen und planen kann. So sorglos ich oft bin, die Zukunft meines Kindes möchte ich nicht einfach dem Zufall überlassen. Seit diesem Jahr ist klar, meine Mutter kann als nächste Angehörige keine Entscheidungen mehr in meinem Sinne treffen. Deshalb habe ich mich in letzter Zeit immer wieder mit dem Thema beschäftigt und etwas schlauer gemacht. An meinen Abenden drehte es sich neben viel Papierkram auch um Fragen zu Testamenten und Sorgerechtsverfügungen.

Nach Weihnachten kümmere ich mich um Testament, Sorgerechtsverfügung & Co.

Weil ich nur ein Kind und keinen großen Besitz habe, ist für mich das Wichtigste: Wer kümmert sich im Ernstfall ums Kind und übernimmt meine Verantwortung? Neulich nach einem gemütlichen Sonntagsbrunch wollte ich das Thema mit meiner besten Freundin mal ansprechen. Aber wie macht man das am Besten? „Hömma, wenn ich tot bin, erbst Du mein Kind! Nimmste das Erbe an?“ Schwierig und irgendwie ist die Situation immer unpassend. Ich hab also gesagt: „Du Julchen, magst Du demnächst mal zum Abendessen kommen? Dann würde ich gerne etwas mit Dir besprechen.“ Da war dieser Anflug von Panik in ihren blauen Augen. Ich solle sie bloß nicht zappeln lassen und mit der Sprache rausrücken. Also durchatmen und los . . . Sie hat nur gelächelt und gesagt: „Ich bin die Patentante und ich nehme das sehr ernst! Natürlich würde ich ihn zu mir nehmen, wenn er das will.“

Es ist schon ziemlich toll zu wissen, dass man mit solchen Freunden mindestens 100 Jahre alt wird. Ich möchte mit ihnen meinen Urenkeln Geschichten von früher erzählen, Eierlikör trinken und über Blödsinn dreckig lachen. Und wenn ich auf dem Weg vorzeitig schlapp mache, dann kümmern sie sich um den wichtigsten kleinen Menschen. Danke.

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Lesestoff: Infos zum Thema Sorgerechtsverfügung und auch Sorgerechtsvollmacht gibt es online zum Beispiel bei Elterngeld oder speziell für Alleinerziehende Asuro.

Und wenn wir schon dabei sind – warum nicht auch gleich eine Patientenverfügung ausfüllen?

Auch nicht schlecht ist eine Generalvollmacht, sie umfasst gleich mehrere Vollmachten. Der Bevollmächtige kann sich damit zum Beispiel um die Kündigung der Wohnung, Bankangelegenheiten und medizinische Entscheidungen kümmern.