Dies & Das

Satt und glücklich mit wenig Geld

Bunte Teller machen Kinder satt und glücklich.

Das Budget: 40,93 Euro. Eine Woche lang habe ich damit versucht, meine Mini-Familie und mich zu ernähren. Die Fragen: Kann man sich mit dem regulären HartzIV-Satz und wenig Geld gesund und gut ernähren? Macht das satt und glücklich? Ein Fazit.

Man muss verzichten können

Ich finde die Erkenntnis ziemlich logisch. Ist das Budget begrenzt, muss man sich auch Dinge verkneifen. Alleinerziehende machen das in der Regel sowieso an diversen Stellen. Das ist nicht toll, aber es ist möglich. Tatsächlich war ich erstaunt wie gut das Kind mitgemacht hat, wenn ich gesagt habe: „Wir haben dafür jetzt kein Geld.“ Da gab es keine großen Diskussionen. Aber – und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt . . .

Für Kinder macht man auch mal Ausnahmen

Ich komme mit wenig Geld aus und was andere haben, beeindruckt mich nur bedingt. Bei Kindern sieht das erfahrungsgemäß noch anders aus. Da ist ein Junge auf der Straße mit Eis – „Kann ich auch eins haben?“. Da steht ein Kind vorm Spielzeugladen – „Kuck mal LEGO, toll! Das wünsche ich mir auch.“ Mütter und Väter müssen nein sagen

Eis macht glücklich.

Manchmal braucht es ein Eis, um glücklich zu sein.

lernen, das liegt in der Natur der Sache. Wenn man wenig Geld hat, fällt es aber manchmal doppelt schwer. Unsere Kinder sollen es ja gut haben und auch wenn ich diesen Satz nicht leiden kann, auch ich möchte meinem Kind etwas bieten. In der Versuchswoche hatte ich zwei „schwache“ Momente und das Kind durfte sich etwas gönnen, das nicht auf der Einkaufsliste stand. Das Eis war im Budget noch drin. Genauso wie eine Waffel vom Bäcker. Letztere allerdings vor allem, weil gerade Kleingeld in der Jackentasche klimperte – wir hatten kurz zuvor unser Leergut weggebracht. Das lohnt sich: 5,30 Euro kamen so zusammen.

Ich glaube, dass Freunde und Familie eine große Rolle spielen. Wenn jeder ein bisschen dazu tut, tut es allen weniger weh. Die Patentante war mit dem Sohn zum Beispiel in der Kindervorstellung des Programmkinos.

Eine super Idee hatte mein Kind übrigens selbst: Es muss nicht immer die Riesenkugel Eis für ein Euro sein. „Stangeneis oder Kratzeis vom Kiosk ist billiger, oder?“, hat er gefragt. Ich hab genickt und gedacht, das hat sogar noch einen Vorteil. Mama hat Kindheitserinnerungen und die sind unbezahlbar! (Du willst Eis selbst machen? Schau doch mal hier)

Ich kann keinen Speck mehr sehen

Wir sind keine Vegetarier aber wir essen Fleisch nur in Maßen und achten auf die Qualität. Für unseren Versuch habe ich Bio-Hack und Speckwürfel gekauft. Letztere sind super für viele Gerichte. Ich kann sie aber echt nicht mehr sehen. Tatsächlich hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass ich Fleisch nicht brauche – schon gar nicht, wenn ich dafür nicht genug Geld ausgeben kann. In Zukunft wird es bei uns vermutlich noch weniger Fleisch geben.

Tiefkühlpizza ist nicht drin – und mir ist es völlig egal!

Eine Pizza für fast drei Euro aus dem Tiefkühlfach ist rausgeschmissenes Geld, wenn man haushalten muss. Das Convenience Food schmeckt meist nicht so dolle und ich werde gerade so davon satt. Viel besser: Teig selbst machen und mit dem Kind belegen. Das macht Spaß und für etwa zwei Euro Wareneinsatz macht man gleich ein ganzes Blech und das reicht auch für Gäste!

Das Kind will Fischstäbchen

Das hatte ich ignoriert. Mache ich aber wohl nicht nochmal. Der Tiefkühlfisch ist eine gute Variante, damit das Kind ein bisschen Fisch zu sich nimmt. Sollte es aber mal Tiefkühlfisch im Angebot geben, würde ich auch dort zugreifen. Panade ist ja auch super einfach gemacht. Der Sohn hat sie für so gut befunden, dass Chicken Nuggets von Fastfood-Laden schon länger kein Thema mehr bei uns sind.

Vergiss mal Kaffee „to go“

Kaffee zum Mitnehmen gehört für viele zum Lifestyle. Auch ich treffe mich gerne mit Freunden und schlendere mit einem Becher am Rhein entlang. Was nervt: Der Müll und der Preis von etwa drei Euro. Ich habe mir ja tatsächlich für eine Woche Kaffee verkniffen. So streng wäre das aber wohl nicht nötig gewesen. Wer Instant-Kaffee mag, den gibt es bereits für kleines Geld beim Discounter. Ich mag lieber die Variante guten Espresso zu kaufen und ihn in der French Press zuzubereiten. Dazu warme Milch geben und das Ganze in den eigenen Thermo- oder Bambusbecher füllen. Bleibt ewig warm, sieht gut aus und ist nachhaltiger. Ein gutes Gewissen macht ja auch glücklich.

Mach’s wie Oma

Ich habe in letzter Zeit sehr oft an meine Oma Hermine gedacht. Sie hatte vier Kinder, einen Mann und eine demente Mutter und musste die Großfamilie mit wenig Geld satt bekommen. Geschafft hat sie es immer, weil sie gut gehaushaltet hat. Saisonales Obst und Gemüse wurde in Mengen gut gelagert, eingelegt, eingekocht und eingeweckt. Wegschmeißen war ein Tabu. Auch ich werde demnächst selbst Kompott und Marmelade machen. Einer meiner wichtigsten Helfer während der Versuchswoche war die Tiefkühltruhe. Darin kann man Reste perfekt aufbewahren oder Zutaten vorbereiten und portionieren. Brühe zum Beispiel, gehackte Kräuter oder Zwiebeln.

Kräuter rocken und machen glücklich

Gewürze machen Essen erst spannend.

Satt und glücklich: Ohne Gewürze kann ich nicht!

Ich hatte in der Woche nur frisches Basilikum Zuhause. Aber Gewürze wie Kräuter der Provence, Thymian, Oregano und natürlich Chili haben dafür gesorgt, das ähnliche Lebensmittel immer anders und super lecker geschmeckt haben. Das Erste, was ich deshalb nach der Versuchswoche gekauft habe: Bio-Kräuter aus dem Baumarkt. Jetzt zieren auch Rosmarin, Liebstöckel, Minze und Petersilie meine Küchenfensterbank. Sobald die Temperaturen steigen, wandern die Kräuter auf die Loggia. Dann kommt noch etliches dazu. Das riecht und schmeckt gut – und die Bienchen lieben die blühenden Sorten.

 

Du bist, was Du isst

Auch das hat meine Oma Hermine immer gesagt. Und ich möchte kein Kilo Fleisch für 1,99 Euro sein. Deshalb beschäftige ich mich mit meinem Essen. Ich habe keine Lust die Angebotskataloge der Supermärkte zu studieren. Sinn macht das aber. Viel mehr Spaß würde es mir machen über Wochenmärkte und durch Läden zu schlendern. Besser als einmal in der Woche den Rieseneinkauf zu starten, ist es wahrscheinlich mehrmals pro Woche Kleinigkeiten zu besorgen. Der Vorteil, ich kann spontan auf Angebote reagieren, kann abwechslungsreicher einkaufen und sehe wo, es gerade besonders gute Qualität gibt.

Ich will Abwechslung

In Zukunft werde ich besser auf den Mix beim Einkaufen achten, um Geld zu sparen. Eingekauft wird dann zum Beispiel beim Discounter, auf dem Wochenmarkt oder beim türkischen Lebensmittelhandel. Eine Freundin hat ein Feld gepachtet, auf dem Gemüse angebaut wird. Wenn was übrig bleibt, biete ich mich gerne als Abnehmerin an. So hoffe ich, von allem das Beste und vielleicht auch Günstigste zu bekommen. Unsere Teller sahen mitunter ziemlich bunt aus und gerade beim Frühstück habe ich öfters rumgespielt, damit das Kind sich nicht langweilt. Unsere Zutaten waren schließlich begrenzt. Der Sohn fand’s super, hat nichts vermisst und immer gut gegessen.

Schwarmwissen ist gefragt

Rezepte für ArmeLeuteEssen und gesunde Ernährung gibt es ohne Ende. Wenn einem die kreativen Ideen ausgehen, macht es Sinn, sich Anregungen bei Pinterest, Chefkoch oder anderen Seiten im Internet zu holen. Wirklich tolle Tipps hatten auch Freunde für mich. Danke dafür, ich werde in der nächsten Zeit ganz viel ausprobieren.

Der Müll nervt

Das hat mich wirklich frustriert. Zwar gibt es auch beim Discounter einzelnes Obst und Gemüse, das Meiste ist aber mehrfach in Plastik eingepackt. In Sachen Nachhaltigkeit und „Zero Waste“ werde ich weiter recherchieren ob und wie man das günstig hinbekommt.

Mein Fazit

Wir waren wirklich jeden Tag satt und glücklich. Mit Kreativität und Lust am Essen kann man sich auch mit dem HartzIV-Satz gut und gesund ernähren. Vieles ist dabei eine Frage der Einstellung und der Gewohnheit. Ich werde in Zukunft versuchen, sparsam zu bleiben und meine Gewohnheiten mehr zu hinterfragen. Wichtigste Frage dabei: Brauche ich das überhaupt?

♥♥♥

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