Dies & Das, Familie

Mama, warum habe ich keinen Papa?

Kinder von Alleinerziehenden haben viele Fragen.

Wenn Kinder fragen . . .

Alleinerziehend sein hat mittlerweile keinen Sonderstatus mehr. Schön und gut. Trotzdem kann man im Alltag nicht immer so selbstverständlich damit umgehen, wie man es sich vielleicht wünscht. Die Einelternfamilie bedeutet nämlich viel emotionale Arbeit für die Erwachsenen und die Kinder. Wieso, weshalb warum? Töchter und Söhne haben immer wieder Fragen. Und einige haben es in sich. Zum Beispiel wenn es um den fehlenden Papa geht.

„Ist er etwa schon tot?“

Hier eine Auswahl von Fragen, die ich über die Jahre gehört habe: „Warum habe ich keinen Papa?“ (mit 2 Jahren) „Warum habe ich ihn noch nie gesehen?“ (mit 3) Ist er etwa schon tot? (mit 4) „Haben Du und mein Vater sich scheiden lassen?“ (mit 5) „Woher willst Du das wissen, kanntest Du meinen Vater etwa?“ (mit 5)

Und ja, es gibt Abende nach einem anstrengenden Arbeitstag, an denen ich mich am liebsten neben das Kind aufs Bett schmeißen und auch losheulen würde. Urlaubstage, an denen ich eigentlich nur meine Ruhe haben möchte und mich diese Fragerei nervt. Muss er ausgerechnet im Restaurant einem flüchtigen Bekannten erzählen, dass er seinen Papa noch nie gesehen hat? Ja, offensichtlich muss er.

Und egal, wie ich mich dabei fühle -ich antworte: die Wahrheit. Noch braucht mein Sohn davon nicht viel. Ich erkläre ihm, was er in der Lage ist, zu verstehen. Und ich sage ihm, was seine Neugier zumindest für den Moment befriedigt.

„Schatz, jedes Kind hat einen Papa – auch Du.“ (2) „Manche Väter wohnen nicht bei ihren Kindern. So wie Opa, der wohnt ja auch weit weg von uns. Und ich habe ihn erst sehr spät kennengelernt.“ (3) „Nein. Mach Dir keine Sorgen, Du wirst ihn irgendwann kennenlernen. Alles braucht seine Zeit.“ (4) „Wie kommst Du darauf, mein Herz? Ich war doch noch nie verheiratet.“ (5) Ich muss kurz grinsen und überlege, ob ich ihm etwas von jungfräulicher Empfängnis erzählen soll – aber ich antworte ernsthaft: „Ja, mein Schatz. Sehr gut.“ (5)

Papa ist kein Tabu

Tatsächlich waren es kurze Antworten, manchmal nur wenige Worte, die die Fragen beendeten. Ich weiß, dass mein Sohn sich dennoch Gedanken macht. Aber eine Botschaft war mir in all unseren Gesprächen wichtig: Du kannst mich immer fragen. Das weiß er und es beruhigt ihn. Zwischen uns soll es kein „Papa-Tabu“ geben. Ich nehme meinen Sohn und seine Fragen ernst. Vielleicht auch, weil ich mich selbst noch daran erinnere, wie ich meine Mutter schluchzend fragte, warum mein Vater uns nie besuchte. Vorzugsweise, wenn wir einen Tag im Schwimmbad verbracht oder einem Ausflugsort verbracht hatten. Dann hatte ich zwar viel Spaß aber überall liefen auch riesige Männer herum, die mit unanständiger Leichtigkeit ihre Kinder auf den Schultern trugen. Gefühlt stundenlang. Ich hingegen musste mit drei Jahren das Sandspielzeug und meine Schwimmsachen alleine schleppen und konnte die vermeintlich heile Familienwelt der anderen anscheinend nicht übersehen. Und genau so geht es meinem Kind hin und wieder. Er darf sagen, was ihn beschäftigt, darf auch zeigen, wenn er verletzt und verunsichert ist. Und er wird lernen, mit dem Schmerz umzugehen. Auch, weil er ihn teilen darf.

Inzwischen teile auch ich meine Unsicherheit und meine Enttäuschung. Mit Freunden. Einige sind in einer ähnlichen Situation wie ich. Manchmal verschicke ich auch ein Foto von meinem Sohn und schreibe: Er fragt nach seinem Vater. Was soll ich ihm sagen? Und nachdem Jahre vergangen waren, bekam ich Antworten. Es braucht wohl wirklich alles und jeder seine Zeit.

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