Dies & Das, Familie

Königin oder Verliererin der Welt?

Alleinerziehend und Königin der Welt? Manchmal.

Das Leben von Alleinerziehenden ist schizophren

Wow, in der letzten Zeit habe ich in meinen News-Timelines ständig Beiträge über Menschen wie mich gefunden: Alleinerziehende. Offenbar ist mittlerweile zu vielen durchgedrungen, dass es nicht ganz einfach ist, Kinder alleine groß zu ziehen. Aktuelle Studien belegen das auch. Demnach sind beispielsweise Alleinerziehende (Mütter) überdurchschnittlich oft von Armut bedroht und ihr Level an Unzufriedenheit deutlich höher als bei Paaren. Die ZEIT fragte dann auch gleich: „Sind Alleinerziehende die Verlierer der Gesellschaft?“ Das sitzt.

Also mal kurz beim Kaffee mit der besten alleinerziehenden Freundin die Statistik in den Raum geworfen. Auf einer Skala von 0 (völlig unzufrieden) bis 10 (völlig zufrieden) dümpeln Alleinerziehende meist bei 6, irgendwas rum. Verheiratete fast immer über 7. Größte Unterschiede – wen wundert’s – gibt es beim Haushaltseinkommen: Alleinerziehende 5,4 Punkte versus verheiratete Eltern 7,0.

Biene lächelt nur: „Also, ich bin sehr zufrieden.“ Ende der Diskussion? Aus meiner Sicht nicht ganz. Es gibt nämlich durchaus viele Situationen, die Singles mit Kind enorm stressen. Und manchmal fühlt man sich tatsächlich wie der A … der Nation. Worüber machen wir Ein-Eltern uns also am meisten einen Kopf? Mein Eindruck: um Geld, Job, Zeit und auch Liebe. Stinknormale Sachen. Aber wenn man mit den Themen alleine umgehen muss, bedeuten sie leider oft Anstrengung hoch 2.

Kein „Schatzi, übernimm mal bitte“

Finanzen: Es ist dumm, aber mein Geld ist endlich. Viele Rechnungen und das Finanzamt haben durchaus das Zeug, heftige Kopfschmerzen zu bereiten. „Schatzi, übernimmst Du das mal bitte“, können Alleinerziehende nicht sagen. Keiner da, der die Miete zahlt oder die kaputte Waschmaschine oder, oder, oder. Spendable, vermögende Verwandte zum Beispiel oder stinkreiche, spendable Ex-Partner sind absolut kein Standard. Vielleicht gibt es außer staatlichem Unterhaltsvorschuss gar nichts. Das nennt man alleinige Verantwortung – und sie nervt.

Job: Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen, ist für alle Eltern eine schwierige Nummer. Alleinerziehende schaffen es mit einem klassischen 9-to-5-Job kaum, sich vernünftig um Kind(er) zu kümmern. Das schlechte Gewissen ist manchmal kaum zu ertragen. Allen will man zeigen, dass man es drauf hat. Dem Chef, den Kollegen, dem Kind. Das ist anstrengend und manchmal nicht zu leisten. Man braucht sehr viel Unterstützung, damit das Kind sich trotzdem umsorgt und geliebt fühlt. Ich habe der Vollzeit-Festanstellung eine Chance gegeben und mich schließlich sehr bewusst dagegen entschieden. Selbstständig zu arbeiten, ist viel Verantwortung aber es gibt mir auch viel Flexibilität. Ich kann mein Kind selbst zur Kita bringen und auch die starren Abholzeiten sind kein Problem. Mindestens in Vollzeit arbeite ich trotzdem. Wenn das Lieblingskind schläft, lege ich oft nochmal los.

Zeit: Hab ich nie – aber ich nehme sie mir. Und das geht! Allerdings muss man auch darauf bestehen. Der Sohn hat verstanden: Mamazeit macht glücklich und stark für mehr Zeit mit Kind. Und auch Kunden finden es völlig in Ordnung, wenn man sich Urlaub nimmt – wirklich. Quality-time alleine, mit Kind, mit Restfamilie oder Freunden ist unendlich kostbar.

Es gibt Alleinerziehende mit einem Liebesleben

Liebe: Wenn man sich nur als Paar komplett fühlt, hat man alleinerziehend definitiv ein Problem. Ich kann Zeit auch ganz gut alleine verbringen. Dates mit Fremden sind für mich der Horror. Waren sie immer. Aber jetzt: Ich habe ein Kind. Das soll den Typen nicht sofort kennenlernen. Ich muss arbeiten. Ich brauch einen Babysitter. Ich bin müde. Kann ich nicht nen Couch-Abend haben? Aber wenn man sich aufrafft, ist es ziemlich oft richtig nett. Und Liebe geht definitiv auch alleinerziehend, wenn es auch manchmal etwas komplizierter ist.

Klingt alles schlimm? Ist es oft auch. ABER: In guten Momenten und Lebensphasen sind Alleinerziehende nicht nur zufrieden – sie strotzen geradezu vor Selbstbewusstsein, Zuversicht und Stolz auf ihre eigenen Leistungen. Auch unsere Kinder sehen, was wir alles im Alleingang wuppen. Mein Lieblingskind lobt mich für vieles. Obwohl ich in seinen Augen „die kleinste Erwachsene der Welt“ bin, bin ich auch die „allermutigste und stärkste Frau“, die „beste und schnellste Autofahrerin“, die „beste Köchin“, die „schönste und kuscheligste Mami“ – ich könnte noch weiter machen. Diese Komplimente gehören mir ganz allein. Und sie machen mich sehr, sehr glücklich.

Tadaaa!

Ich glaube, wenn man in seinem Leben etwas wie dauerhaftes Glück erleben möchte, muss man seine Prioritäten überdenken und spontan auf Situationen reagieren können. Ich habe keine Zeit, um über verpasste Jobmöglichkeiten, eine gescheiterte Beziehung oder für mich unerschwinglichen Technik-Schnickschack zu grübeln. Ein Trick von zufriedenen, alleinerziehenden Müttern und Vätern: Sie hadern nicht ewig mit ihren schwierigen Lebensumständen. Stattdessen kehren sie die Scherben zusammen und machen ein schönes Mosaik daraus (die Biene hat das drauf). Ganz nach dem Motto: Das ist nicht kaputt, sondern Kunst. Tadaaa!

Genießt das Leben und bleibt fröhlich, Ihr wundervollen Menschen da draußen! ♥♥♥

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