Familie

Die kriegt doch Unterhalt fürs Kind . . .

Kindesunterhalt ist keine Wahlveranstaltung.

Dein Ex-Partner zahlt Unterhalt fürs Kind? Na dann ist ja alles in Ordnung! Oder doch nicht? Warum getrennte Eltern unbedingt für ihre Töchter und Söhne aufkommen sollten, es damit aber noch längst nicht getan ist.

„Zahlt der Vater denn Unterhalt?“ – solche Fragen hört man als Alleinerziehende ziemlich häufig. Aber wir leben ja in Deutschland und über Geld spricht man hier nicht. Es geht also eigentlich niemanden etwas an, ob Väter oder Mütter von ihrem Ex Geld fürs gemeinsame Kind bekommen. Aber es gibt wahrscheinlich mehrere Gründe, warum Menschen trotzdem immer wieder danach fragen. Neugier gehört zu den weniger sympathischen. Oft steckt hinter der Frage aber wohl auch Sorge und echte Anteilnahme. Wenn ich auf diese Frage mit „Ja“ antworte ist die Reaktion dann auch fast immer gleich: Zufriedenes Kopfnicken wird begleitet von irgendwelchen Floskeln wie „Na, Gott sei Dank“ oder „Das ist ja auch das Mindeste“.

Unterhalt fürs Kind ist ein Dauerthema

Kindesunterhalt ist für Alleinerziehende tatsächlich ein großes Thema. Für die Ex-Partner, die ohne das Kind leben natürlich auch, denn sie müssen ja normalerweise zahlen. Unterhalt ist aber auch ein Streitthema. Denn leider gibt es immer noch viele Menschen, die die Notwendigkeit nicht recht einsehen wollen.

Hier mal ein paar Sprüche zum Thema, die mich echt auf die Palme bringen:

  • Ich darf das Kind nicht sehen, warum sollte ich dann zahlen?

Geht’s noch?? Mag sein, dass sich Ex-Partner nach einer Trennung von ihrer schlechten Seite zeigen. Kinder werden instrumentalisiert oder entfremdet, ein normaler Umgang ist nicht möglich oder Ex und Kind(er) verschwinden komplett aus dem eigenen Leben. Trotzdem: Kinder wachsen, brauchen Kleidung, haben Hunger und brauchen Zuwendung. Mütter und Väter sind verpflichtet, sich zu kümmern. Das ist erste Familienregel und steht nicht umsonst auch so in diversen Gesetzen. Unterhalt ist aus gutem Grund keine Wahlveranstaltung!

  • Nein, daran beteilige ich mich nicht – ich zahle doch Unterhalt!

Es gibt viele Dinge, die Töchter und Söhne sich wünschen – oder brauchen. Spiele, Musikunterricht oder eine Sportausrüstung gehören bei vielen genauso dazu wie die Erstausstattung für Grundschüler. „Dein Problem“, ist da als Antwort die falsche Botschaft. Unsere gemeinsame Aufgabe!

  • Die hat ein bequemes Leben, die bekommt schließlich Unterhalt von ihrem Ex!

Aaaaaalso, mit dem Konzept „Ex-Frau bekommt von ihrem reichen Ex-Ehemann viel, viel Unterhalt“ kenne ich mich nicht aus. Vielleicht gibt es das. Für mich und die meisten anderen bleibt es aber dabei: Das KIND bekommt Unterhalt, nicht ich. Ich bin quasi nur die Verwalterin, die das Geld so verwendet, wie es das Kind braucht.

  • Von meinem Gehalt bleibt nichts übrig, weil ich Unterhalt für meine Kinder zahlen muss!

Jedes Kind braucht Raum für sich.

Ein Kinderzimmer muss nicht groß sein, kann aber je nach Wohnort ganz schon teuer sein.

Ach? Dann wäre das exakt genauso, wenn die Kinder bei Dir leben würden. Damit würde es Dir nach wie vor wie einem Großteil der Eltern gehen. Kinder sind eben ein wirklich glamouröser Lifestyle – volle Windeln, schlaflose Nächte und Kuschelsonntage gibt es gratis dazu.

Mütter und Väter, die unterhaltspflichtig sind, sollten also mal einen Augenblick durchatmen und berechnen: Was kosten die Dinge, die mein Kind braucht und wie viel davon deckt mein Unterhalt überhaupt ab? Keine Ahnung? Dann kommt hier ein bisschen Input.

Was braucht so ein Kind eigentlich?

Essen: Allein in der Kita oder Schule kostet das ca. 50 Euro im Monat.

Kinderzimmer: In Köln kostet der Quadratmeter durchschnittlich etwa zehn Euro Kaltmiete. Inklusive Nebenkosten sind da also mindestens 120 Euro fällig.

Betreuung: Kita oder Offene Ganztagsschule. Da variieren die Kosten ja je nach Einkommen und leider auch je nach Stadt oder Kommune. Sagen wir mal: 200 Euro.

Kleidung: Kinder wachsen. Immer und manchmal sprichwörtlich über Nacht. Fürs Baby mussten alle paar Wochen neue Sachen her. Zum Glück werden Babysachen gerne verschenkt. Anders sieht es bei älteren Kindern aus. Durch vorausschauendes Einkaufen, Secondhand, Kleidung von Freunden und älteren Geschwistern kann man sparen. Aber zweimal im Jahr braucht es eine quasi komplett neue Ausstattung. Ganz zu schweigen von Schuhen. Sandalen, FlipFlops, Sportschuhe für die Schule, Gummistiefel, Sneakers, Winterschuhe … Das muss man je nach Wachstumsschub eben auch mehrfach kaufen. Mal ganz davon abgesehen, dass ein Paar in der Regel nicht ausreicht. Warum? „Mama, da! Eine Pfütze“ – „Nein, nicht ohne Gummistiefel! … Verdammt.“ Deshalb!

Drogerie: Mit einem Baby sind Drogeriemärkte echte Geldsauger. Ein Neugeborenes braucht zum Beispiel etwa 180 Windeln im Monat. Kostenpunkt: etwa 25 bis 50 Euro je nach Marke. Kommen je nach persönlichen Bedürfnissen noch Wickelunterlagen, Öle, Lotionen, Pflegebad, Fläschchen, Schnuller, Beißringe und andere Dinge dazu.

Gesundheit: Wer zahlt die Zahnspange und wer die Zahnzusatzversicherung? Wer besorgt das Mittel gegen Läuse, Magen-Darm oder den Erkältungsbalsam? Vielleicht braucht das Kind auch eine Brille.

Sport: Das Kind soll Sport machen! Das ist gut fürs Selbstbewusstsein und hält Kopf und Körper fit. Außerdem finden Jungen und Mädchen dank Fußballverein, Schwimmtraining oder Ballett viele Freunde. 10 Stunden Schwimmkurs kosten mindestens 100 Euro. Der Monatsbeitrag im Sportverein ist günstiger und kostet ungefähr zehn Euro im Monat.

Mobilität: Roller, Fahrräder, Inlineskates usw. Gebraucht kann man manchmal echte Schnapper machen und trotzdem, gerade Räder werden manchmal nur ein Jahr gefahren. Deshalb vielen Dank an Oma, Opas, Patentanten und liebe Menschen, die da gerne einspringen.

Der Hunger nach Bildung kostet auch Geld.

Kinder sind hungrig – nach Essen und nach Bildung. Das kostetet auch Geld.

 

Bildung: Schulmaterial, Bücher für Zuhause, Lernspiele – Kinder haben großen Wissensdurst und nicht alles wird über den gratis Ausweis für die Stadtbibliothek abgedeckt.

Ausflüge und Reisen: Gerade bei Teenagern kann das ein großes Thema sein. Sie wollen etwas unternehmen – auch ohne ihre Eltern. Doch wer bezahlt solche Freizeitaktivitäten?

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Ich könnte hier noch Etliches aufzählen! Finanziell für ein Kind oder mehrere verantwortlich zu sein, ist ein Kraftakt. Darüber sollten auch Ex-Partner offen und ehrlich sprechen können. Beim Thema Geld gilt das Gleiche wie in anderen Bereichen: Immer schön fair bleiben. Wenn jeder ganz selbstverständlich den Beitrag leistet, den er kann, ist es für alle irgendwie machbar. Nie vergessen: Beim Unterhalt geht es nicht um verletzte Gefühle, sondern ums Kind. Also sollte man gemeinsame Sache machen. Alles andere ist Energieverschwendung!

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